Erzählmuster

Es war einmal… in… das …, da… .Sicherlich ein Erzählmuster, das Sie aus ihrer Kindheit kennen. Unzählige Märchen beginnen mit dieser Syntaxstruktur. Unzählige Kinder wissen daraufhin unmittelbar, was kommt. Was das beweist? Nicht viel mehr, als die Tatsache, dass wir uns von frühesten Kindertagen an für narrative Strukturen begeistern. Trotz wiederholter Wiedergabe, lassen die Muster keine Langeweile aufkommen. Vielmehr sorgen sie in der daraus resultierenden Vertrautheit für Berechenbarkeit. Das gilt für Kinder und Erwachsene ebenso.

Vertraute Erzählmuster akzeptiert unser Geist gern

Das funktioniert selbst dann, wenn sich die Vertrautheit auf Syntax- oder Narrationsstrukturen beschränkt und der Inhalt mit neuen Wendungen überrascht. Unser Unterbewusstsein ist gewillt, die neue Variante als den neuen Körper im vertrauten Kleid zu akzeptieren. Getanzt wird ein bekannter Tanz. Während Kleid und Tanz wohlbekannte Komponenten sind, wird der Körper zum Herzstück der neuen Variante.

An dieser Stelle hilft ein Beispiel: Es war einmal ein frommes Mädchen in großer Trauer, das lebte mit ihrer Stiefmutter und zwei garstigen Stiefschwestern zusammen, da ihre Eltern früh gestorben waren. Ihr Name war Aschenputtel und beim Tanz traf die ihren Prinzen.

Es lebte eine hübsche Prostituierte in Los Angeles, die konnte sich die Miete kaum leisten, da sie ohne Ausbildung früh von zu Hause weggegangen war. Ihr Name war Vivian Ward und auf der Straße traf sie den Gentleman im Sportwagen. Für die, die sich nicht gleich des Titels entsinnen: „Pretty Woman”.

Es interviewt eine brave Studentin in Seattle einen erfolgreichen Unternehmer. Sie konnte sich außer Romantik nichts vorstellen, da ihr als Jungfrau noch nichts Wildes widerfahren war. Ihr Name war Ana Steele und sie traf im Büro einen attraktiven sowie dominanten Multimillionär.

Ein unverändertes Erzählmuster gefällt

Drei Frauen, drei Körper, drei Prinzen, drei Happy Ends. Ein spitzengesäumtes Ballkleid, ein Designer-Kleid sowie Ledergerte und Handschellen. Das konkludiert die variablen Elemente. Das Narrationsmuster hingegen bleibt unverändert: Devote Frau entwickelt Selbstbewusstsein in einem Rahmen, der durch ihren Retter und Prinzen zunächst ermöglicht und zugleich durch diverse gesellschaftliche Hindernisse determiniert wird. Dieser Tanz ist nicht neu.

„Fifty Shades of Grey“ ein alter Hut?

In Folge dessen ist „Fifty Shades of Grey“ als Aktualisierung der Cinderella-Story zu interpretieren. Ein Narrationsmuster, das uns seit Kindertagen bewegt. Es ist kein Zufall, dass sich die Verfilmung für Unternehmen wie Audi, Lego, Brabbu oder Koket als Ankerpunkt für zahlreiche Product Placements und Kooperationen anbot. Das Muster berührt Kinder und Erwachsene ebenso. Es indiziert einen Archetyp.

2017-04-10T13:36:17+00:00

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